Abstract (deu)
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem österreichischen Literaturkritiker Hermann Bahr (1863‒1934) und seinem tschechischen Gegenspieler František Xaver Šalda (1867 ‒ 1937). Untersucht wurden die von ihnen zwischen 1886 und 1897 verfassten Essays und Artikel mit dem Ziel, ihre jeweilige Konzeption der Moderne zu durchblicken und sie miteinander zu vergleichen.
Nachdem die politischen und gesellschaftlichen Vorbedingungen eruiert wurden, widme ich mich den zwei Autoren und ihrem Verständnis ihrer Rolle als Literaturkritiker und der Aufgaben der Literaturkritik an sich. Folglich prüfe ich die zwei Schriften mit den programmatischen Namen Die Moderne und Česka Moderna auf einen ebenso programmatischen Inhalt.
Bahr und Šalda verfolgen in der jeweiligen Moderne das gleiche Ziel, d.h. sie wollen sie an das internationale literarische Panorama anschließen und sie darin etablieren. In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, worin die Hauptmerkmale ihres jeweiligen Konzepts der Moderne bestehen. Die durchaus vage Begriffsbestimmung wird in ihren Grundelementen untersucht. Die Frage, die sich aus meiner Sicht im Fall der Moderne stellt, ist die folgende: Ausgehend von der Tatsache, dass in der Moderne keine normativen ästhetischen Maßstäbe angeführt werden, wie kann der Empfänger bzw. Kunstkritiker beurteilen, ob ein Kunstwerk modern ist oder nicht, und ob es überhaupt ein Kunstwerk ist? Wenn die Moderne keine Wahrnehmungsästhetik anbietet, wie lässt sich die künstlerische Moderne dann definieren?
Das Hauptaugenmerk der Untersuchung ist im Wesentlichen auf die Schriften der zwei Autoren gerichtet und auf diejenigen Begriffe, die von besonderer Relevanz sind, wie Überwindung, Synthese, Décadence und Renaissance.