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Titel (deu)

Der Bau der Universitaetssternwarte auf der Tuerkenschanze in Wien: Die Geschichte der Errichtung der Universitöätssternwarte

Beteiligte Personen

Posch, Thomas
Bräuhofer, Günter
Posch, Thomas
Bräuhofer, Günter

Beschreibung (deu)

Die Geschichte der Astronomie in der Stadt Wien reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Nach der Gründung der Universität Wien 1365 wurden dort von 1391 bis 1882 ständig Vorlesungen „Über Himmel und Erde“ gehalten. Im 15. Jahrhundert lehrten und forschten Johannes von Gmunden, Georg von Peuerbach und dessen Schüler Regiomontanus in Wien. Anfang des 18. Jahrhunderts richtete sich der Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni auf dem Dach seines Wiener Hauses einen astronomischen Turm ein, in dem er hauptsächlich mit selbst angefertigten Instrumenten beobachtete. Hierdurch angeregt erbauten die Jesuiten 1733 auf dem Dach ihres Kollegiumsgebäudes ebenfalls eine eigene Sternwarte.

Erste Universitätssternwarte:

Auf Anregung von Johann Joseph von Trautson ließ Kaiserin Maria Theresia eine Sternwarte an der Universität errichten. Auf dem Dach des neuen Universitätsgebäudes (heute Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am Dr. Ignaz-Seipel-Platz, ♁48° 12′ 31″ N, 16° 22′ 39″ O) entstand in den Jahren 1753 bis 1754 eine Sternwarte, die 1756 ihren Betrieb aufnahm. Das aufgesetzte Sternwartengebäude war ein vierstöckiger, schmaler Holzbau. Erster Direktor der Universitätssternwarte wurde der damals 35-jährige Jesuitenpater Maximilian Hell. Der Standort inmitten der Wiener Innenstadt erwies sich allerdings zunehmend als ungünstig. Durch Erschütterungen, Luftunruhe und -verschmutzung (verursacht durch aufsteigende, warme Luft und Ruß) wurden die astronomischen Beobachtungen und insbesondere präzise Positionsbestimmungen stark eingeschränkt. Hells Nachfolger, Joseph Johann von Littrow, regte daher um 1820 den Bau eines neuen Gebäudes an. Da das Vorhaben nicht genehmigt wurde, erfolgte 1825 ein Umbau, bei dem die bestehende Sternwarte völlig umgestaltet wurde. Ältere Teleskope wurden ersetzt, der vorhandene Aufbau musste einem Neubau weichen. Ein großer Beobachtungssaal für bewegliche Instrumente sowie ein Raum für fest montierte Geräte wurden eingerichtet, und zwei Türme mit beweglichen Kuppeldächern wurden errichtet. Auf einer Dachterrasse entstanden Beobachtungsräume für Meridianfernrohre. 1883 wurde ein weiterer Beobachtungsturm gebaut.

Die neue Universitätssternwarte:

1842 übernahm Littrows Sohn Karl Ludwig von Littrow den Posten des Direktors und versuchte erneut, einen Neubau durchzusetzen. 1846 legte er den zuständigen Behörden entsprechende Pläne vor, die wiederum abgelehnt wurden. Mit Unterstützung einflussreicher Persönlichkeiten erhielt Littrow 1850 die Gelegenheit, ein detailliertes Konzept für einen Neubau vorzustellen. Darin forderte er einen erschütterungsfreien, von Vegetation umgebenen, staubfreien Standort auf einer Anhöhe. Geeignet war ein Hügelrücken am Wiener Linienwall. Als 1858 die Aufhebung des bestehenden Bauverbots am Linienwall erfolgte, erhielt Littrow noch im gleichen Jahr die Genehmigung für einen Neubau. Als 1867 der Neubau des Hauptgebäudes der Universität geplant war, bestanden Überlegungen zur Errichtung einer Sternwarte auf dem Dach des Gebäudes. Da das Vorhaben jedoch nicht realisiert wurde, übertrug man Littrow die Aufgabe, eine Sternwarte zu gründen, die eine führende Rolle in der damaligen Donaumonarchie übernehmen sollte. Nach Studienreisen zu Sternwarten in Deutschland, England und den USA nahm man schließlich die ebenfalls in Kreuzform angelegte neue Berliner Sternwarte zum Vorbild. Als Standort wählte man ein 5,5 Hektar großes Gelände an der „Türkenschanze“ in der damals noch selbständigen Gemeinde Währing. Die Planung des Baus, der auch repräsentativen Zwecken dienen sollte, wurde dem Büro Fellner & Helmer übertragen, das durch den Bau von Theater- und Konzerthallen bekannt geworden war. Von 1874 bis 1879 erfolgten die Bauarbeiten an der Sternwarte, die in Kreuzform errichtet wurde. Das Zentrum des Gebäudes bildet die 14 m große Hauptkuppel, umgeben von drei weiteren, kleineren Kuppeln am Ende des nördlichen, westlichen und östlichen Traktes. Der Südtrakt beherbergte die Wohn- und Arbeitsräume der Astronomen. Mit einer Länge von 101 m und einer Breite von 73 m ist sie bis heute das größte baulich geschlossene Sternwartengebäude der Welt. Littrow konnte die Fertigstellung nicht mehr erleben, da er 1877 verstarb. Der vollständige Umzug des Instituts für Astronomie war erst 1882 abgeschlossen. Die feierliche Eröffnung fand am 5. Juni 1883 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. statt.

Sprache des Objekts

Deutsch

Datum

2013-05-11

Klassifikation

Bau, Architektur, Geschichte, Fellner, Helmer, Sternwarte

, Astronomie

Mitglieder dieser Collection (6)

o:296004 Fassade der Universitätssternwarte
o:296003 Portal der Universitätssternwarte
o:105246 Das astronomische Mittagszeichen der Stadt Wien
o:103106 Foto der ungeschliffenen Crownglaslinse
o:103105 Zeichnung Manufaktur Sir Howard Grubb, Parsons and Co.
o:103093 Foto Manufaktur Sir Howard Grubb, Parsons and Co.

Mitglied in der/den Collection(s) (1)

o:292203 Archiv der Universitätssternwarte Wien