Abstract (deu)
Der Sozialstaat hatte seit dem Ende des 2. Weltkrieges ein bis dahin nie gekanntes Ausmaß an sozialer Sicherheit und Teilhabe für die breite Masse der Bevölkerung ermöglicht, seit Beginn der 1980er Jahre bahnte sich jedoch das Ende des „Goldenen Zeitalters“ des Wohlfahrtsstaates an. Niedrigere Wachstumsraten der Wirtschaft, steigende Erwerbslosigkeit, Veränderung der Altersstruktur der Gesellschaft und die Auflösung traditioneller Familienstrukturen brachen die Normalitätsannahmen, auf denen der Sozialstaat aufbaute, zum Wanken. Mit dem Ende des Ausbaus wurde auch evident, dass das an sich gut ausgebaute System der sozialen Sicherung keineswegs Verarmungsrisiken ausschließt.
Die Verbreitung von Beschäftigungsverhältnissen abseits des (männlichen) Normalarbeitsverhältnisses – wie Teilzeitarbeit, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung etc. nimmt kontinuierlich zu. Vor allem für Frauen wird atypische Beschäftigung zunehmend typisch. Veränderungen in Richtung Atypisierung am Arbeitsmarkt betreffen die sozialen Sicherungssysteme insgesamt, wenn die Frage nach den Modi für dessen Um- oder Rückbau und seine Finanzierung gestellt werden muss. Sie stellen ebenso die Frage nach der Zukunft der Arbeit und damit auch die nach ihrer Funktion für den Staat und den/die EinzelneN in der Vergangenheit und in Zukunft. Politische Handlungsoptionen wurden von den zentralen Akteuren in unterschiedlicher Weise genützt – von Bestrebungen, bestimmte Beschäftigungsformen zu verbieten bis hin zu politischer Non-Decision.