Abstract (deu)
Im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit soll die kollektivvertragliche Deckungsrate in Österreich erhoben und analysiert werden. In Österreich werden Mindestlöhne durch Kollektivverträge oder ähnliche Vertragsinstrumentarien (z. B. Mindestlohnvereinbarungen) vereinbart. Arbeitnehmer, welche durch keinen Kollektivvertrag oder durch keine Mindestlohnvereinbarung erfasst werden, unterliegen daher keinem gesetzlichen Mindestlohn und keinen Mindestvereinbarungen bezüglich der Arbeitsverhältnisse. Folgende Forschungsfragen sollen im Zuge der vorliegenden Arbeit beantwortet werden:
Wie hoch ist die bereinigte und unbereinigte kollektivvertragliche Deckungsrate?
Warum sind die spezifischen Bereiche/Branchen nicht kollektivvertraglich abgedeckt?
Wie stellt sich die Situation im Vergleich zu früheren Forschungsergebnissen dar?
Um die Forschungsfragen zu beantworten, wurden Interviews und Erhebungen bei den Interessensvertretungen durchgeführt sowie einige Sekundärdatenquellen ausgewertet. Die unbereinigte kollektivvertragliche Deckungsrate ergibt im Jahr 2009 76,2 %. Die bereinigte kollektivvertragliche Deckungsrate (ohne öffentlich Bedienstete und ohne geringfügig Beschäftigte) beträgt im Jahr 2009 95,7 %.
Einige nicht gedeckte Bereiche umfassen mehr als tausend Arbeitnehmer. Die größten ungedeckten Bereiche sind:
Abfall- und Abwasserwirtschaft (Arbeiter)
Werbung und Marktkommunikation (ausgenommen Wien)
Diverse Freizeitbetriebe
Luftfahrtunternehmungen
Geringfügig Beschäftigte
Ein Grund, warum eine Berufsgruppe keinem Kollektivvertrag unterliegt, ist, dass sie zu wenige Arbeitnehmer umfasst, so dass die Gewerkschaftsvertretung keinen Arbeitskampf versucht. Der Aufwand für Verhandlungen ist den Sozialpartnern in diesen Bereichen nicht selten zu hoch. Als weiterer Grund könnte der fehlende Wille zum Abschluss des Kollektivvertrages genannt werden. Der fehlende Wille kann das Resultat eines nicht gewünschten Verhandlungsverlaufs oder grundsätzlicher Differenzen der Sozialpartner sein.