Abstract (deu)
Ausgehend von der Frage, um welches Geschichtsverständnis es sich handelt, in dem Fortschritt und im speziellen Fortschritt in der Kunst verhandelt werden kann, wird deutlich, dass die Kategorie der Analogie unumgänglich ist. Um von Fortschritt sprechen zu können, müssen Ereignisse in ein Verhältnis zu setzten sein, d.h. analog zueinander betrachtet werden. Gilles Deleuze nennt dieses Modell Welt der Repräsentation, der nicht nur unsere Vorstellung von Geschichte, sondern auch unser Bild von Denken unterliegt. In Different und Wiederholung entwirft Deleuze 1968 ein gänzlich anders strukturiertes Bild des Denkens und damit eine andere Sicht auf die Welt – die Welt der Trugbilder: in Deleuze Differenzphilosophie erscheinen Analogien als Oberflächeneffekte von reinen, ursprungslosen Differenzen, die sich durch Wiederholung in einem steten Werden befinden. Um sie zu erfassen und beurteilen zu können, wird diese Bewegung seit Platon vermittelt, also repräsentiert, wodurch der Blick auf die singulären Differenzen verstellt wird. Kunstgeschichte vermittelt in dieser Form Kunst, indem sie Analogien zwischen Werken aufspürt; Kunst als singuläres Ereignis bleibt auf diese Weise verdeckt. Kunst und Geschichte sind zwei geschiedene Modelle des Denkens, die im Fortschritt der Kunst ihre Schnittstelle finden – diese These wird in der vorliegenden Arbeit in enger Verbindung mit dem geloopten, achtminütigen Film 8 der deutschen Künstlerin Ulla von Brandenburg entwickelt.