You are here: University of Vienna PHAIDRA Detail o:1318094
Title (deu)
Handlungsräume und Täterschaft von Medizinerinnen während der NS-Herrschaft am Beispiel der 'Spiegelgrund'-Ärztin Marianne Türk
Parallel title (eng)
Spaces of action and delinquency of female medics during the NS-reign using the example of the former "Spiegelgrund"-physician Marianne Türk
Author
Daniela Pscheiden
Advisor
Gabriella Hauch
Assessor
Gabriella Hauch
Abstract (deu)
Die Frage nach den Frauen zustehenden Handlungsräumen während der NS-Zeit, wird am Beispiel der „Spiegelgrund“-Ärztin Marianne Türk nachgegangen. Theorien zu Täterschaft im Zuge der NS-Herrschaft und speziell zu weiblicher Täterschaft werden ebenso in die Untersuchung miteinbezogen, wie auch das Zusammenspiel äußerer Umstände mit heute nur noch schwer rekonstruierbaren individuellen Persönlichkeitsmerkmalen, die Einfluss auf ihre Entscheidungen genommen haben. Entscheidungen, die Marianne Türk den Weg zur eigenen Täterschaft einschlagen lassen sollten. Um die gesellschaftlichen Einflüsse auf sie näher bestimmen zu können, wird neben einer Darstellung zeitgenössischer sozialer, politischer, ideologischer, medizinischer, biologischer und auch religiöser Diskurse, vor allem in den Quellen nach Aspekten gesucht, die eine persönliche Einbindung in diese Diskurse aufzeigen. Aufgrund dieses Vergleiches kann festgestellt werden, bis zu welchem Ausmaß sie sich aus eigenem Antrieb auf den Nationalsozialismus und die damit verbundene Ideologie eingelassen hat. Aus den Quellen zu ihrem Studium oder ihrer beruflichen Tätigkeit in der Anstalt „Am Spiegelgrund“ kann klar erkannt werden, dass sie immer wieder aktiv Schritte gesetzt hat, die sie schlussendlich zur Täterin werden ließen. Nachkriegsquellen, wie Gerichtsakten oder Medienberichte, zeigen ihren erfolgreichen Versuch, sich durch das Anpassen an als ideal angesehene weibliche Geschlechterkonstruktionen, zu entlasten. Keine Rede mehr von der angestrebten ärztlichen Karriere, sondern nur noch die Betonung ihres Wunsches Kinderärztin zu werden sowie ihr Mitleid mit den kranken Kindern; kein Wort zu ihrem eigenständiges Handeln am „Spiegelgrund“, sondern die stete Hervorhebung ihrer Abhängigkeit von den männlichen Vorgesetzten. Auch die Hinweise auf ihre jugendliche Naivität sowie ihr angebliches Desinteresse an Politik sollten sie vor einer zu gestrengen Verurteilung schützen. Heute können alle diese als Entschuldigung vorgebrachten Punkte durch das Quellenstudium widerlegt werden. So enthüllen die Quellen Türk als eine Frau, die ihren Platz, in Übereinstimmung mit der NS-Ideologie, als ärztliche „Hüterin der Rasse“ gefunden hat. Die Verbitterung, der Neid und Ärger der aus den Quellen knapp vor ihrem Tod spricht, zeigen wie nahe ihr der Verlust dieser Position ein Leben lang gegangen zu sein scheint. Ihr Selbstbild entsprach schon bald dem eines Opfers und offenbart damit das Unverständnis ihrer eigenen Schuld, welches sie bis zum Schluss beibehielt.
Abstract (eng)
The issue of women´s spaces of action during the NS-period was analyzed using the former „Spiegelgrund“ physician Marianne Türk as a case study. Theories regarding delinquents in the course of NS-reign, especially female delinquents, are also included in the research. It is suggested that the combination of external circumstances and personal traits, which cannot be easily reconstructed in the present, may have influenced the decisions taken by Türk, leading to her individual delinquency. In order to be able to determine the societal influences that affected her, the description of contemporary social, political, ideological, medical, biological and even religious discourses and their meaning for Türk are identified. On the basis of this comparison, it is possible to detect how much she actively engaged in national socialism and the ideology linked to it. Sources regarding her university studies and her professional activity at the „Spiegelgrund“ help to recognize the fact that she actively set steps towards being a female perpetrator. As the postwar sources like court records or media coverage show, she sucessfully attempted to relieve herself from guilt through an adaption to constructions of gender which were considered as ideal. She made no mention of the medical career she pursued, only the desire of being a pediatrician and her pity for all the ill children; denying her independent actions at the „Spiegelgrund“, instead emphazising her dependence on male superiors. Hints regarding her youthful naivity and her supposed disinterest in politics sucessfully prevented her from a severe sentence. All of the excuses she used to escape a severe sentence can be easily disproved through study of the sources examined here. Instead, they reveal Türk as a woman who was determined to be a medical „guardian of race“ in accordance with the NS-ideology. Bitterness, envy, and anger detected in the sources, which originate from the time close before her death, show how hard she was affected with the loss of this position. Her self-perception matched the image of a victim and manifests thereby the incomprehension of her own guilt, which she retained until the end.
Keywords (eng)
Marianne TürkSpiegelgrundchildren euthanasiaNS medical crimesNational Socialismperpetrator researchpost war trialseugenicswomen´s studiesgender constructionsspaces of action
Keywords (deu)
Marianne TürkSpiegelgrundKindereuthanasieNS-MedizinverbrechenNationalsozialismusTäterforschungNachkriegsjustizRassenhygieneFrauenstudiumGeschlechterkonstruktionenHandlungsräume
Subject (deu)
Type (deu)
Persistent identifier
https://phaidra.univie.ac.at/o:1318094
rdau:P60550 (deu)
128 S.
Number of pages
132
Members (1)
Title (deu)
Handlungsräume und Täterschaft von Medizinerinnen während der NS-Herrschaft am Beispiel der 'Spiegelgrund'-Ärztin Marianne Türk
Parallel title (eng)
Spaces of action and delinquency of female medics during the NS-reign using the example of the former "Spiegelgrund"-physician Marianne Türk
Author
Daniela Pscheiden
Abstract (deu)
Die Frage nach den Frauen zustehenden Handlungsräumen während der NS-Zeit, wird am Beispiel der „Spiegelgrund“-Ärztin Marianne Türk nachgegangen. Theorien zu Täterschaft im Zuge der NS-Herrschaft und speziell zu weiblicher Täterschaft werden ebenso in die Untersuchung miteinbezogen, wie auch das Zusammenspiel äußerer Umstände mit heute nur noch schwer rekonstruierbaren individuellen Persönlichkeitsmerkmalen, die Einfluss auf ihre Entscheidungen genommen haben. Entscheidungen, die Marianne Türk den Weg zur eigenen Täterschaft einschlagen lassen sollten. Um die gesellschaftlichen Einflüsse auf sie näher bestimmen zu können, wird neben einer Darstellung zeitgenössischer sozialer, politischer, ideologischer, medizinischer, biologischer und auch religiöser Diskurse, vor allem in den Quellen nach Aspekten gesucht, die eine persönliche Einbindung in diese Diskurse aufzeigen. Aufgrund dieses Vergleiches kann festgestellt werden, bis zu welchem Ausmaß sie sich aus eigenem Antrieb auf den Nationalsozialismus und die damit verbundene Ideologie eingelassen hat. Aus den Quellen zu ihrem Studium oder ihrer beruflichen Tätigkeit in der Anstalt „Am Spiegelgrund“ kann klar erkannt werden, dass sie immer wieder aktiv Schritte gesetzt hat, die sie schlussendlich zur Täterin werden ließen. Nachkriegsquellen, wie Gerichtsakten oder Medienberichte, zeigen ihren erfolgreichen Versuch, sich durch das Anpassen an als ideal angesehene weibliche Geschlechterkonstruktionen, zu entlasten. Keine Rede mehr von der angestrebten ärztlichen Karriere, sondern nur noch die Betonung ihres Wunsches Kinderärztin zu werden sowie ihr Mitleid mit den kranken Kindern; kein Wort zu ihrem eigenständiges Handeln am „Spiegelgrund“, sondern die stete Hervorhebung ihrer Abhängigkeit von den männlichen Vorgesetzten. Auch die Hinweise auf ihre jugendliche Naivität sowie ihr angebliches Desinteresse an Politik sollten sie vor einer zu gestrengen Verurteilung schützen. Heute können alle diese als Entschuldigung vorgebrachten Punkte durch das Quellenstudium widerlegt werden. So enthüllen die Quellen Türk als eine Frau, die ihren Platz, in Übereinstimmung mit der NS-Ideologie, als ärztliche „Hüterin der Rasse“ gefunden hat. Die Verbitterung, der Neid und Ärger der aus den Quellen knapp vor ihrem Tod spricht, zeigen wie nahe ihr der Verlust dieser Position ein Leben lang gegangen zu sein scheint. Ihr Selbstbild entsprach schon bald dem eines Opfers und offenbart damit das Unverständnis ihrer eigenen Schuld, welches sie bis zum Schluss beibehielt.
Abstract (eng)
The issue of women´s spaces of action during the NS-period was analyzed using the former „Spiegelgrund“ physician Marianne Türk as a case study. Theories regarding delinquents in the course of NS-reign, especially female delinquents, are also included in the research. It is suggested that the combination of external circumstances and personal traits, which cannot be easily reconstructed in the present, may have influenced the decisions taken by Türk, leading to her individual delinquency. In order to be able to determine the societal influences that affected her, the description of contemporary social, political, ideological, medical, biological and even religious discourses and their meaning for Türk are identified. On the basis of this comparison, it is possible to detect how much she actively engaged in national socialism and the ideology linked to it. Sources regarding her university studies and her professional activity at the „Spiegelgrund“ help to recognize the fact that she actively set steps towards being a female perpetrator. As the postwar sources like court records or media coverage show, she sucessfully attempted to relieve herself from guilt through an adaption to constructions of gender which were considered as ideal. She made no mention of the medical career she pursued, only the desire of being a pediatrician and her pity for all the ill children; denying her independent actions at the „Spiegelgrund“, instead emphazising her dependence on male superiors. Hints regarding her youthful naivity and her supposed disinterest in politics sucessfully prevented her from a severe sentence. All of the excuses she used to escape a severe sentence can be easily disproved through study of the sources examined here. Instead, they reveal Türk as a woman who was determined to be a medical „guardian of race“ in accordance with the NS-ideology. Bitterness, envy, and anger detected in the sources, which originate from the time close before her death, show how hard she was affected with the loss of this position. Her self-perception matched the image of a victim and manifests thereby the incomprehension of her own guilt, which she retained until the end.
Keywords (eng)
Marianne TürkSpiegelgrundchildren euthanasiaNS medical crimesNational Socialismperpetrator researchpost war trialseugenicswomen´s studiesgender constructionsspaces of action
Keywords (deu)
Marianne TürkSpiegelgrundKindereuthanasieNS-MedizinverbrechenNationalsozialismusTäterforschungNachkriegsjustizRassenhygieneFrauenstudiumGeschlechterkonstruktionenHandlungsräume
Subject (deu)
Type (deu)
Persistent identifier
https://phaidra.univie.ac.at/o:1318095
Number of pages
132