Abstract (deu)
Die vorliegende Masterarbeit versucht zu beantworten, wie russische Reiseschriftstellerinnen Zentralasien und österreichische Reiseschriftstellerinnen Bosnien-Herzegowina um 1900 wahrgenommen haben. Diese Frage wird anhand von Reiseberichten solcher Frauen, welche die jeweilige imperial Peripherie besucht hatten, beantwortet. Deren diskursanalytische Analyse zeigt, dass sowohl die russischen als auch die österreichischen Reiseschriftstellerinnen dem hegemonialen (von Männern dominierten) Diskurs verhaftet blieben und viele Topoi des westlichen Kolonialdiskurses benutzten. Sie klassifizierten die autochthone Bevölkerung nach deren Zivilisationsgrad, wobei sie die Peripherie als rückständig und ihre eigene europäische Kultur als zivilisatorisch überlegen definierten. Während allerdings die Russinnen die zentralasiatische Peripherie als das deutlich "Andere" charakterisierten, präsentierten die Österreicherinnen Bosnien-Herzegowina eher als Brücke zwischen Orient und Okzident. Damit entspricht diese Darstellung Todorovas Balkanismus sowie Gringrichs Grenz-Orientalismus und Feichtingers "komplexem k.u.k. Orientalismus". Die Wahrnehmung Zentralasiens wiederum lässt sich eher dem Said'schen Orientalismus-Konzept zuordnen. In beiden Fällen brachten die Reiseschriftstellerinnen das Argument der russischen bzw. habsburgischen Zivilisierungsmission, was sie hauptsächlich mit der Errichtung einer modernen Infrastruktur verbanden. Ein großer Unterschied zwischen der Beschreibung Zentralasiens und Bosnien-Herzegowinas lässt sich jedoch in der Charakterisierung der einheimischen Frau feststellen: Während die zentralasiatische Frau als rückständig präsentiert wurde, wurde die Bosnierin heroisiert und als dominant illustriert.