Abstract (deu)
Diese Masterarbeit evaluiert die verschiedenen Versuche innerhalb der politischen Theorie den marxistischen Ideologiebegriff für eine Analyse von Rassismus fruchtbar zu machen. Zu diesem Zweck werden die beiden einflussreichsten Anknüpfungen an das Ideologiekonzept von Karl Marx gegenübergestellt: die Ideologietheorie im Anschluss an Louis Althusser und die Ideologiekritik im Anschluss an Georg Lukács und die kritische Theorie der Frankfurter Schule. Die neomarxistische Debatte um eine analytische Bestimmung von Rassismus, die in den 1990er Jahren im deutschen Sprachraum geführt wurde, bildet hierfür den Rahmen, wobei auch rassismustheoretische Arbeiten aus der französischen und angelsächsischen Diskussion in die Analyse miteinbezogen wurden.
Im ersten Teil der Arbeit werden die verschiedenen Ideologiekonzepte im Werk von Karl Marx behandelt, um danach zu zeigen wie diese in ideologietheoretischen und ideologiekritischen Rassismustheorien rezipiert und weiterentwickelt wurden. Danach wird durch eine Gegenüberstellung beider Theorieströmungen verdeutlicht, auf welchen unterschiedlichen erkenntnis- und gesellschaftstheoretischen Prämissen diese aufbauen und wie es möglich ist, sie trotz aller Differenzen im Detail miteinander zu kombinieren. Die These dabei ist, dass die Ideologietheorie es ermöglicht die affektiven, praktischen und diskursiven Momente von Rassismus im Kontext von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Kräfteverhältnissen zu erfassen, während sich die Ideologiekritik als Analyse der Bedingungen der Möglichkeit rassistischen Bewusstseins verstehen lässt. Damit schließen sich beide theoretischen Zugänge – entgegen der Meinung vieler ihrer VertreterInnen – keineswegs aus.