Abstract (deu)
Das mehrfach prämierte „period drama“ Stranger Things (Netflix, US 2016-), das sich in den heute ubiquitär präsenten Trend einreiht, die 1980er Jahre wiederauferstehen lassen zu wollen, löste generations- und länderübergreifend eine wahre Nostalgiewelle unter ihren ZuseherInnen aus. Nach nur kurzer Zeit wurde die Serie – die als eine Hommage an die Populärkultur, Medien, Musik, Serien und Filme der 1980er Jahre angesehen wird – selbst zu einem Pop-Phänomen. Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich der Nostalgie-Hype um die Retro-Serie aus film- und medienwissenschaftlicher Sicht erklären lässt.
Es wird argumentiert, dass die Gründe für eine nostalgische Lesart der Serie vielfältig und von Triggern (Stimuli, welche Erinnerungen wachrufen) abhängig sind, die auf multiplen Ebenen unterschiedliche Formen von Nostalgie produzieren und evozieren. Die in der Arbeit vorgestellten Formen des Phänomens – individuelle Nostalgie, kollektive Nostalgie, historische Nostalgie, Mediennostalgie, „artefact nostalgia“ und „fictional nostalgia“ – sollen dabei helfen, eine Identifizierung der Trigger für Nostalgie vorzunehmen und die diversen Formen von Nostalgie, welche in der Serie miteinander agieren, zu bestimmen. Zudem wird auf das besondere Verhältnis von Medien, Nostalgie und Erinnerung eingegangen, um das Aufkommen von nostalgischen Gefühlen in einem heterogenen Publikum erklärbar zu machen. Es wird argumentiert, dass vor allem Fans der Generation X, die in den 1980er Jahren ihre Kindheit und Jugend erlebten, das nostalgische Angebot der Serie begrüßen, aber dieses auch ein junges Publikum, das sich für den heute populären Retro-Trend begeistert und Nostalgie für eine kollektive kulturelle Vergangenheit empfindet, anspricht.
Im analytischen Teil der Arbeit wird untersucht, wie sich das Wiederaufgreifen von früheren Ästhetiken, Narrativen, Tropen und Figurenkonstellationen auf den unterschiedlichen Ebenen der Serie gestaltet. Dabei wird die Arbeitsweise der Serienmacher mit jenen ihrer künstlerischen Vorbilder verglichen, die sich – mit Noël Carroll gesprochen – durch sogenannte „allusions“ auszeichnet. „Allusions“ – respektive intertextuelle Referenzen, Zitate, Hommagen, Nachbildungen bestimmter Szenen, Einstellungen, Handlungsmotive und Themen – in der Serie Stranger Things werden anhand von Beispielen illustriert. Zudem wird aufgezeigt, welche unterschiedlichen Lesarten sich aus dem intertextuellen Charakter der Serie ergeben.