Abstract (deu)
Krebs ist, trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten, immer noch die zweithäufigste Todesursache weltweit und stellt für Erkrankte sowie Angehörige eine enorme Belastung dar. Die derzeit zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten werden häufig durch das Auftreten schwerwiegender Nebenwirkungen eingeschränkt oder verlieren ihre Wirkung durch sich rasch bildende Resistenzen. Eine vielversprechende Strategie zur Optimierung des therapeutischen Index einer Substanz ist der Einsatz sogenannter Prodrugs. Durch spezifische Mechanismen kann das Arzneimittel gezielt an der gewünschten Wirkungsstelle aktiviert werden, was Nebenwirkungen minimiert. Eine weitere aussichtsreiche Methode ist die Verwendung von „Drug Delivery“-Systemen (passive targeting), welche den EPR-Effekt (enhanced permeability and retention) nutzen. Hierbei werden Substanzen in Nanopartikel eingeschlossen, wodurch Plasma-Halbwertszeiten erhöht und die Tumorakkumulation deutlich verbessert werden können. In den letzten 20 Jahren hat die Substanzklasse der gezielten Krebstherapeutika („Targeted Therapeutics“), bestehend aus Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKIs) und monoklonalen Antikörpern, die Krebstherapie revolutioniert. Nichtsdestotrotz werden TKIs aufgrund mangelnder Tumorspezifität und auftretender Resistenzen oft in ihrer klinischen Verwendung eingeschränkt. Im Rahmen dieser Arbeit wurden daher Prodrugs von TKIs entwickelt, um diese Nachteile zu überwinden. Ziel des ersten Projekts war es, die Stabilität einer Co(III)-basierten Prodrug zu verbessern, welche eine epidermale Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) inhibitierende Einheit besitzt und im hypoxischen Milieu des Tumors aktiviert werden kann. Die Modifikation der Liganden resultierte in einem geringeren Reduktionspotential (und damit in der gewünschten erhöhten Stabilität) der Komplexe, die ihre Antitumoraktivität in vitro behielten. Es stellte sich jedoch heraus, dass die direkte Bindung der chelatisierenden Ethylendiamin-Gruppe an den Chinazolinring des EGFR-Inhibitors nicht von Vorteil ist. Infolgedessen wurden im zweiten Projekt Co(III)-Komplexe des klinisch zugelassenen Multikinase-Inhibitors Ponatinib, welches an ebenjener Stelle einen -CH2-Spacer in seiner molekularen Struktur trägt, synthetisiert. Tatsächlich konnten deutlich niedrigere Reduktionspotentiale und erhöhte Stabilitäten erzielt werden. Interessanterweise zeigte sich in In-vivo-Studien, dass der stabilste Komplex eine geringere Wirkung aufwies. Dies deutet darauf hin, dass eine ausreichende hypoxische Aktivierung wohl durch eine zu hohe Stabilität des Komplexes verhindert wird. Das dritte Projekt dieser Arbeit befasste sich mit α-N-heterocyclischen Thiosemicarbazonen (TSCs), welche derzeit als potentielle Krebstherapeutika klinisch untersucht werden. Leider weist Triapin, einer der prominentesten Vertreter, kaum Wirksamkeit gegen solide Tumore auf, was höchstwahrscheinlich auf zu kurze Plasma-Halbwertszeiten und rasche Metabolisierung zurückzuführen ist. Der Einschluss dieser Substanz(en) in Nanopartikel stellt eine interessante Strategie zur Umgehung dieser Nachteile dar. Daher wurden liposomale Formulierungen der Cu(II)-Komplexen von Triapin und COTI-2, einem weiterem klinisch untersuchten TSC, synthetisiert und charakterisiert. Die Liposomen von Cu(II)-Triapin zeigten die vielversprechendsten Ergebnisse in Zellkulturexperimenten. Anschließend konnte in vivo eine langsame und kontinuierliche Freisetzung des Wirkstoffs in das Plasma beobachtet werden, was auf einen stabilen Einschluss und somit auf eine vielversprechende Anwendung als „Drug Delivery“-System schließen lässt.