Abstract (deu)
Umwelteinflüsse sind entscheidend für die menschliche Gesundheit. Die Exposomforschung untersucht die Gesamtheit der Umweltexpositionen, inklusive ihrer Biotransformationsprodukte. In biologischem Probenmaterial wird das interne chemische Exposom und die biologische Reaktion des Körpers auf diese externen Stressfaktoren, in Form des endogenen Metaboloms, gemessen. Die strukturell vielfältigen und hochdynamischen Xenobiotika stellen eine Herausforderung für analytische Verfahren wie beispielsweise die Flüssigkeitschromatographie in Kopplung mit der hochauflösenden Massenspektrometrie (LC-HRMS) dar. In dieser Arbeit wurden neue, massenspektrometrische Methoden für die Exposomforschung entwickelt, umfassend evaluiert und auf biologische Proben angewendet. Als Schlüsselmethode wurde ein LC-HRMS-Ansatz für die simultane Analyse des endogenen Metaboloms und des internen chemischen Exposoms etabliert. Ein Zweisäulenaufbau mit einer Umkehrphasensäule zur Messung apolarer Chemikalien und einer hydrophilen Interaktionschromatographiesäule zur Detektion polarer Metaboliten mit hohem Durchsatz wurde optimiert und beide Effluenten simultan analysiert. Urinproben aus Subsahara-Afrika und aus Europa zeigten, dass die entwickelte Methode in der Lage ist, das chemische Exposom und das Metabolom gleichzeitig zu erforschen. Eine Einschränkung der HRMS- Technik war jedoch die Detektion von gering konzentrierten Umweltbelastungen im Vergleich zu maßgeschneiderten Triple-Quadrupolansätzen. Daher wurden die unterschiedlichen Bestimmungsgrenzen einer HRMS-Methode mit einer Säule für apolare Fremdstoffe und einer gerichteten, niedrig auflösenden Massenspektrometriemethode mit identischen LC-Parametern anhand verschiedener Analyten in Lösungsmittel und Urin bewertet. Die Möglichkeit mit HRMS nach unbekannten Molekülen zu suchen, wurde auch verwendt, um neue Biotransformationsprodukte zu entschlüsseln. In zwei Krebszelllinien wurde nach Metaboliten des Mykotoxins Deoxynivalenol gesucht und die Biotransformationsprodukte zweier endokrin aktiven Verbindungen, des Isoflavons Genistein und des Xenoöstrogens Zearalenon, wurden in einem in-vitro-Modell für Brustkrebs untersucht. Durch die Kombination von HRMS und dem Bioinformatik-Tool MetExtract II wurden, unterstützt durch Isotopenmarkierung, mehrere bekannte und sowie bisher unbekannte Biotransformationsprodukte nachgewiesen. Trotz geringfügiger Limitierungen hinsichtlich der Sensitivität, können die entwickelten, vielseitigen LC-HRMS-Methoden in exposomweiten Assoziationsstudien zur Untersuchung chemischer Umweltfaktoren, die in die Entstehung von Krankheiten involviert sind, eingesetzt werden.