Abstract (deu)
Der Aufenthalt Eugen Bormanns am Instituto di Corrispondenza Archeologica in Rom von 1866 bis 1869, der ihm durch das archäologische Reisestipendium ermöglicht wurde, ist in der Forschung bislang nur in Ansätzen behandelt worden. Und das, obwohl sich für den in der Landesschule Pforta und an den Universitäten Bonn und Berlin gut ausgebildeten Philologen gerade in dieser Zeit seine Hinwendung auf die lateinische Epigraphik vollzog. Diesem Desiderat widmet sich die Arbeit durch die Auswertung einer Vielzahl bisher unpublizierter Archivalien, vor allem der Briefkorrespondenzen Bormanns mit Otto Hirschfeld und Wilhelm Henzen. Dadurch gewinnen wir auch neue Einblicke in seine Kindheit, Jugend, Studienjahre, die Zeit seines Einjährig-Freiwilligen Militärdienstes, seiner Lehramtsprüfung sowie der Einberufung nach Luxemburg kurz vor seiner Abreise nach Italien.
Der Aufenthalt in Italien war mit zahlreichen Reisen verbunden, unter anderem nach Sizilien. Er lernte Land und Leute, Bibliotheken, Museen und Ausgrabungsstätten kennen, wurde sukzessive eingebunden in ein Netzwerk deutscher und italienischer Altertumswissenschaftler, durch Wilhelm Henzen mit der Bearbeitung von Inschriften vertraut und veröffentlichte erste Aufsätze in den Institutsschriften. In Rom schloss Bormann 1868 einen Vertrag mit der Berliner Akademie der Wissenschaften, der ihm nicht nur die Mitarbeit an den stadtrömischen Inschriften für das Corpus Inscriptionum Latinarum, sondern auch die alleinige Bearbeitung der Inschriften Mittelitaliens sicherte.
Zurück in Berlin trat er seine schon vor dem Italienaufenthalt angestrebte gymnasiale Lehrtätigkeit an. Gleichzeitig stand er in engem Kontakt mit Theodor Mommsen, mit dem er in regelmäßigen Zusammenkünften formale Kriterien der bevorstehenden CIL-Publikation besprach, die von Henzen aus Rom übersandten Manuskripte redaktionell bearbeitete und die Drucklegung vorbereitete. Die in Berlin mit Mommsen getroffenen Festlegungen übermittelte Bormann mit viel diplomatischem Geschick in langen, fast täglichen Briefen an Henzen. Sie bieten einzigartige Einblicke in die damaligen Arbeiten am Corpus Inscriptionum Latinarum.